Jahresabschlussrede Fraktionssprecher Dr. Hardy Wenderoth

Liebe Leser, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen

ich möchte dieses Jahr meine Weihnachtsrede auf eine andere Art und Weise beginnen als bisher, nämlich mit der „Weihnachtsfabel der Tiere“, welche uns zum Nachdenken anregen sollte.

Die Tiere diskutierten einst über Weihnachten. Sie stritten, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei. “Na klar, Gänsebraten”, sagte der Fuchs. “Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?”. “Schnee”, sagte der Eisbär. “Viel Schnee.” Und er schwärmte verzückt von der weißen Weihnacht. Das Reh sagte: “Ich brauche aber einen Tannenbaum, sonst kann ich nicht Weihnachten feiern.” “Aber nicht so viele Kerzen”, heulte die Eule. “Schön schummrig und gemütlich muss es sein. Stimmung ist die Hauptsache.” “Aber mein neues Kleid muss man sehen”, sagte der Pfau. “Wenn ich kein neues Kleid kriege, ist für mich kein Weihnachten.” “Und Schmuck!” krächzte die Elster. “Jede Weihnachten bekomme ich etwas: einen Ring, ein Armband. Oder eine Brosche oder eine Kette. Das ist für mich das Allerschönste an Weihnachten.” “Na, aber bitte den Stollen nicht vergessen”, brummte der Bär, “das ist doch die Hauptsache. Wenn es den nicht gibt und all die süßen Sachen, verzichte ich auf Weihnachten.” “Mach’s wie ich:” sagte der Dachs, “pennen, pennen, pennen. Das ist das Wahre. Weihnachten heißt für mich mal richtig pennen.” “Und saufen”, ergänzte der Ochse. “Mal richtig einen saufen – und dann pennen.” Aber da schrie er “aua”, denn der Esel hatte ihm einen gewaltigen Tritt versetzt. “Du Ochse du, denkst du denn nicht an das Kind?” Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte “Das Kind. Jaja, das Kind – das ist doch die Hauptsache. Übrigens”, fragte er dann den Esel, “wissen das eigentlich die Menschen?”

Eine tolle Fabel. Für mich beeinhaltet sie einen wesentlichen Aspekt. Es geht an Weihnachten neben der Ruhe, Besinnlichkeit im Rahmen der Familien noch um vielmehr, es geht um das Zwischenmenschliche und um ein faires Miteinander.

Länder entwickeln sich in der Wissenschaft und Forschung immer weiter, zeigen sich weltoffen, halten andererseits an dem Ziel der Ausweitung der Macht fest.

China gelingt im Januar erstmals in der Geschichte die unbemannte Landung auf der Rückseite des Mondes und unterstreicht damit den Anspruch, eine der Führungsmächte auf der Welt zu sein, zeigt sich allerdings trotz der heftigen Gegenwehr der Einwohner Hongkongs nicht in der Lage, blutige Kämpfe zu unterlassen, den Willen der Menschen zu respektieren und von der Einflußnahme auf die Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas abzusehen.

Auch in dem Jahr 2019 erlebten wir wieder Terroranschlägen aufgrund idealistischer und grotesker Wahnvorstellungen. Das Attentat im März in der neuseeländischen Stadt Christchurch mit insgesamt 50 Toten, die Anschlagsserie im April in Sri Lanka auf christliche Kirchen und Hotels am Ostersonntag mit 310 getöteten Menschen oder der gezielte Mord an dem Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni.

Wir erleben eine unglaubliche Distanzlosigkeit, wenn Menschen Schwerverletzte mit dem Handy filmen, und registrieren teils eine enorme Grundaggressivität gegen Rettungskräfte, Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Mitbürger in bestimmten Alltagssituationen. Im Juli wird ein achtjähriger Junge im Hauptbahnhof Frankfurt vor einen fahrenden Zug gestoßen, in Stuttgart kommt es auf offener Straße zu einem Tötungsdelikt mit einem Schwert.

Andererseits sehen wir in unserer Gesellschaft auch viele junge Menschen, die für ihre Ziele und Zukunft friedlich und zielorientiert demonstrieren wie die Bewegung „Fridays for Future“, welche den aktuellen Klimawandel registriert, aufnimmt und daraus neue Ziele formuliert. Vielfältige Gruppierungen folgen dem Aufruf und unterstützen die Bewegung.

Der Klimawandel ist offensichtlich. Lawinengefahr und Tote durch massive Schneefälle lösen im Januar in Bayern und Österreich chaotische Zustande aus, andererseits wird im niedersächsischen Lingen am 25. Juli mit 42,6°C ein neuer Hitzerekord gemessen. Anfang August stehen rießige Flächen des Amazonas-Regenwalds, die „Lunge der Welt“, in Brasilien, aber auch Bolivien und Paraguay in weiten Teilen in Flammen und Venedig wird im November durch ein Rekordhochwasser überrascht.

 Ebenso im Wandel zeigt sich die Weltpolitik. Bündnisse scheinen aufgrund neuer Konstellationen und Interessensschwerpunkten nicht mehr so fest und sicher zu bestehen, wie sie sich Jahrzehnte auf dem Papier darstellen. Keiner möchte mit Führungsansprüchen dem Anderen nachstehen. Politische Konflikte entstehen.

Im Januar endete der längste Shutdown der US-Geschichte, nachdem der Streit über die Mauer zu Mexiko die US-Regierung 35 Tage lang lahmgelegt hatte.

Die am Syrienkonflikt beteiligten politischen Kräfte lösen sich in den Kriegshandlungen wie in einem Spiel gegenseitig ab und so darf jeder mal das Waffenarsenal und seine Macht in Syrien demonstrieren.

Was uns die Geschichte zeigt ist, dass alle Kriege und Zerwürfnisse von Bündnissen dadurch entstanden sind, dass man zu wenig miteinander gesprochen, sondern vielmehr einander gedroht hat. Intelligente Köpfe mit diplomatischem Geschick sind aktuell mehr gefragt als denn je.

Auch in Deutschland kommt die „Große Koalition“ nicht in ruhiges Fahrwasser. Parteiführungen wechseln, möchten neue Richtungen und damit ihr Handzeichen unter den geplanten politischen Kurs setzen, abgesprochene, schriftlich dokumentierte und signierte Verträge sollen nun nachverhandelt werden, ansonsten droht das Ende der Koalition und Neuwahlen. Denkt denn jemand auch noch an das Wesentliche, den Wähler und den Auftrag, den sie in der Wahl erhalten haben?

Johann Wolfgang von Goethe hat einmal gesagt:
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun“

Dies war sicherlich die Grundlage der letzten 12 Jahre, in denen die Freien Wähler und Du lieber Roland als Bürgermeister die Entwicklung Großwallstadts maßgeblich beeinflusst haben.

Wir in Großwallstadt haben unseren Wählerauftrag verstanden und umgesetzt. Wenn man offenen Auges durch Großwallstadt geht, dann ist doch unbestritten, dass sich unsere Gemeinde in der sozialen, finanziellen und gewerblichen Infrastruktur in den letzten 12 Jahren perfekt weiterentwickelt hat.

Ich möchte bewusst auf die einzelne Auflistung der vielen erreichten Projekte verzichten, da diese in der Weihnachtsrede von unserem Bürgermeister Roland Eppig bereits aufgezählt wurden. Einige sollen jedoch Erwähnung finden.

Wir haben – wie angekündigt – eine solide Finanzpolitik ohne finanzielle Abenteuer, den Erhalt und Modernisierung der gemeindlichen Einrichtungen, die Erweiterung der Freizeitmöglichkeiten und die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Ausweisung geeigneter gemeindeeigener Grundstücke umgesetzt.

Zudem konnten wir dem langjährigen Wunsch und den stetigen Nachfragen der Großwallstädter Bürger hinsichtlich der Erweiterung der Einkaufsmöglichkeiten mit der Akquise und dem Bau des REWE-Marktes und der Rossmann-Drogerie nachkommen, womit wir eines unserer großen Wahlziele bereits frühzeitig erreicht hatten.

Unsere Philosophie wurde durch die Ansiedlungen potenter Gewerbebetriebe bestätigt, sodass bei gleicher Gewerbesteuerzahlung der Anteil der Firma ALCON an den steigenden Gesamtgewerbesteuerzahlungen nicht mehr wie anfangs 80 Prozent, sondern nun knapp unter 50 Prozent beträgt. Wir haben uns also deutlich flexibler aufgestellt. Im Aktien-Bereich würde man sagen, dass wir dem optimalen Portfolio zur Stabilisierung und Sicherung hoher Gewerbesteuereinnahmen mit großen Schritten nähergekommen sind.

Zudem war uns der Einsatz für die Familien und Senioren wichtig, was man in der Sicherstellung der Krippen- und Hortplätze durch einen weiteren geplanten und erforderlichen Bau einer Kinderkrippe erkennt. Die Vorgaben sind gesetzlich festgeschrieben. Hierbei möchte ich nur daran erinnern, dass damals beim Krippenbau der nun schon bestehenden Kinderkrippe die Freien Wähler das Notwendige frühzeitig erkannt und für einen 4-gruppigen Bau plädiert und geworben hatten. Es waren viele Diskussionen im Gemeinderat notwendig, da einige Kolleginnen und Kollegen der CSU und SPD anfangs der Meinung waren, eine Krippenstärke von drei Einheiten sei bei weitem ausreichend. Glücklicherweise konnten wir, trotz einer zeitlichen Verzögerung, am Ende doch den 4-gruppigen Bau beschließen. Mit dieser Entscheidung haben wir bereits damals sinnvoll in die Zukunft investiert, mit einem nur 3-gruppigen Krippenbau hätten wir nun beim Pan der neunen Kinderkrippe deutlich mehr räumliche und finanzielle Hürden stemmen müssen.

Investiert in die Zukunft haben wir auch durch die Bereitstellung von Geldern zum Erhalt unserer Grund- und Mittelschule, welche bayernweit zu einer der beliebtesten und renommiertesten gehört, und der Ausweisung neuer Baugebiete für junge Familien zu erschwinglichen und fairen Preisen. Ortsverdichtende Maßnahmen, Schließung offener Baulücken und der Ausbau des Wertstoffhofes sind uns gut gelungen. Zudem sind wir auf den Wunsch einzelner Winzer eingegangen und haben eine Wasserentnahmestelle zur Bewässerung der Weinberge eingerichtet.

Nach intensivem, jahrelangem Kopfzerbrechen hinsichtlich der Wasserversorgung, zwischenzeitlich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen durch das Wasserwirtschaftsamt, wurden unsere Vorgehensweise und Beharrlichkeit nun beim Wassergipfel, bei dem alle beteiligten Behörden im Landratsamt Miltenberg am 11.12.2019 anwesend waren, belohnt und für richtig befunden. Wir können nun unseren Bürgern weiterhin eine optimale Wasserqualität in ausreichender Menge bei niedrigen Wassergebühren bieten. Es gibt keine Einwände mehr, alle geplanten Brunnen dürfen mit entsprechenden Aufbereitungsanlagen, wie dies beispielsweise in Aschaffenburg schon lange praktiziert wird, ans Netz gehen. Damit ist die Trinkwasserversorgung von Großwallstadt und die Wasserlieferungen an die Firma ALCON sichergestellt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat, auch wir haben uns weiter zusammengerauft und viele Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden entschieden bzw. auf den Weg gebracht.

Wie bereits in der Weihnachtsansprache 2018 angemerkt, hat sich unsere Zusammenarbeit auch 2019 weiterhin verbessert und wir konnten auf einem ordentlichen Niveau sinnvoll, kollegial und zielorientiert viele fruchtbaren Entscheidungen für unser Großwallstadt treffen. Wir sind zu einem noch besseren Team gewachsen.

Vielleicht können wir aus der Weihnachtsfabel aber auch etwas für unseren zukünftigen Wahlkampf, die Wahl des Bürgermeisters und Gemeinderats, welche nächstes Jahr ansteht, mitnehmen. Wir sollten uns auf das Wesentliche fokussieren, gerne diskutieren, welche Ziele die einzelnen politischen Farben im Visier haben, jedoch immer das Wohl unserer Gemeinde im Hinterkopf habend. Wichtig ist in dem kommenden Wahlkampf, dass die Diskussionen sich an Fakten und Tatsachen orientieren, auf Augenhöhe und einem entsprechenden Niveau stattfinden.

Die Versuche politischer Zündeleien eines stetigen Leserbriefschreibers scheitern gleichsam am Anzünden des Feuerzeuges, da die Behauptungen jeglicher Grundlage entbehren. Die objektivierbaren Zahlen, Fakten und Dokumente liegen im Rathaus und Landratsamt und sind jederzeit einsehbar.

Diese Fakten-Basis wurde jedoch nie geschaffen, umso unglücklicher ist, dass dadurch unser Großwallstadt ohne Berücksichtigung objektivierbarer Fakten immer wieder negativ in der Presse erscheint. Der Leserbriefschreiber verändert jedoch dadurch nicht die Tatsachen, vielmehr offenbart er der Öffentlichkeit damit bedauernswerterweise nur sein mangendes Bewertungsvermögen objektivierbarer Zahlen, Fakten und Dokumente.

Die Bürger wünschen sich eine konstruktive und zielorientierte Arbeit des Gemeinderates, kein stetiges Streiten, keine politischen Zündeleien. Eine Entscheidung diesbezüglich findet am 15.03.2020 bei der Kommunal- und Bürgermeisterwahl statt, denn der mündige Bürger von Großwallstadt weiß dies zu werten.

Am Ende des Jahres ist es mir ein besonderes Anliegen, mich bei allen Ehrenamtlichen in Sport und Kultur, bei den Mitgliedern des Seniorenbeirates und bei unserer Feuerwehr herzlich für die geleistete Arbeit zu bedanken.

Bedanken möchte ich mich aber auch bei unserer Verwaltung und dem Bürgermeister, die für unsere Bürger immer ein offenes Ohr haben und viele Angelegenheiten schnell und unbürokratisch lösen. Die Kritik der letzten Legislaturperiode wurde professionell aufgenommen und umgesetzt. Die Verwaltung stellt alle wichtigen Schreiben, Dokumente und Pläne online ins Ratsinformationssystem, sodass wir uns alle zuhause gezielt auf die Gemeinderatssitzungen vorbereiten können. Zudem haben die Kolleginnen und Kollegen des Bauausschusses viel zu tun gehabt und waren in zahlreichen Sitzungen und Ortsbegehungen fleißig unterwegs. Für diese Mühe möchte ich mich bei allen Mitgliedern bedanken.

Ein herzliches Dankeschön möchte ich aber insbesondere auch an meinen Fraktionskolleginnen und Kollegen und bei Dir lieber Roland für die letzten 12 Jahre loswerden. Aus anfänglichen Kollegen sind nun Freunde geworden, ein tolles Team, und das noch viele Ideen für unser Großwallstadt hat und gerne weiterhin geschlossen und mit Engagement die Richtung unserer Gemeinde maßgeblich mitentscheiden möchte. Hierfür haben wir uns auf unserer Liste für die Kommunalwahl 2020 mit tollen Kollegen gezielt verstärkt.

Wir haben unsere Wahlziele erreicht oder bereits auf die Zielgerade gebracht, nun hoffen wir und freuen uns auf eine Bestätigung unserer Arbeit durch die Wählerstimme unserer Bürger von Großwallstadt.

Für die Wahl um das Bürgermeisteramt wünschen wir Dir lieber Roland, dass die Wähler Deine Mühe und gewissenhafte Arbeit erkannt haben, dies erneut belohnen und Dich für weitere 6 Jahre erfolgreich für Großwallstadt arbeiten lassen. Wir brauchen jemanden wie Dich, der Großwallstadt lebt, dies 24 Stunden akribisch und beharrlich wie ein Uhrwerk im Kopf hat und bearbeitet, nur so können wir unseren Wein- und Kulturort Großwallstadt und alle Sport- und Freizeitvereine weiterentwickeln und unterstützen.

Dem zukünftigen Gemeinderat wünsche ich ein kollegiales, sorgsames und kluges Handeln und Denken mit viel Erfolg, Engagement und Spaß. Seine Aufgabe wird es sein, das gute Klima und die konstruktive Zusammenarbeit in der neuen Legislaturperiode weiter zu pflegen und gemeinsam Großwallstadt zielgerichtet und konstruktiv für die Zukunft zu gestalten.

Wir Freien Wähler würden uns sehr gerne wieder maßgeblich daran beteiligen, indem wir uns erneut sach- und zielorientiert und parteiunabhängig für das Wohl unserer Gemeinde einsetzen ohne daraus einen eigenen Vorteil zu generieren.

Weihnachten steht vor der Türe. Wir freuen uns auf friedvolle, besinnliche und ruhige Tage mit der Familie mit dem Gedanken an das Wesentliche.

Wir wünschen allen Mitbürgern, allen Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat, der Verwaltung und Dir lieber Roland ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest im Rahmen der Familien und ein frohes, friedliches und gesegnetes Jahr 2020, vor allem Zufriedenheit und Gesundheit. Ohne dies erscheinen doch vermeintlich große Probleme in einem ganz anderen Licht.

Mitbürgern, denen es aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht so gut geht, wünschen wir baldige Besserung.

Frohe Weihnachten!
Dr. Hardy Wenderoth

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